Falschmeldung von Mountain Wilderness
Betrifft die Fernseh-Sendung MTW (Menschen-Technik-Wissenschaft) vom 23. September 2004.
Falsch war die Aussage über den angeblich neuen Trend "Clean Climbing".
Diese Aussage ist irreführend und entspricht überhaupt nicht den Tatsachen.
In der Sendung entstand der Eindruck, dass dies eine neue Trend-Sportart sein soll.
"Clean-Climbing" gibts bei uns in der Schweiz etwa seit 1975, als die ersten Klemmkeile (nicht Friends) von England auf den Markt kamen (damals war Daniel Silbernagel, der Vertreter von Mountain Wilderness, gerade mal 4-jährig(!).
Wir konnten einige wenige Routen in diesem Stile eröffnen (Regalus 6a, Whiski-Trip 6c, u.a.), welche wenig bis gar nie wiederholt wurden.
"Clean-Climbing" heisst verzicht auf Bohr- und Normalhaken oder sonstige fixe Einrichtungen am Fels. Dies ist in der Schweiz fast nirgens möglich und wird dementsprechend auch ganz selten praktiziert .
Von einem Trend zu sprechen ist deshalb falsch und auch gefährlich.
"Clean-Climbing" wir wohl auch künftig keine Anhänger finden:
weil es in der Schweiz praktisch keine Möglichkeiten dazu gibt, (in höheren Schwierigkeitsgraden sowieso keine).
weil es sehr, sehr viel Erfahrung braucht.
weil es v.a. bei Einsteigern zu schwerwiegenden Unfällen führen kann.
Zudem sind bereits heute etliche Risse mit verkeilten Friends "verstopft", welche falsch gesetzt wurden und nun für immer im Fels verbleiben.
Ich möchte mich von dieser Meldung distanzieren...
Jürg von Känel
siehe auch:
http://www.sac-cas.ch Stellungsnahme des SAC
(Schweizer Alpen-Club)
In Ihrer Sendung vom 23., 24. und 25 September 2004 wurde u.a. die Frage der heutigen Entwicklungen im Sportklettern (Free Climbing) behandelt. Dabei kamen einerseits ein Exponent des mit Bohrhaken abgesicherten "Plaisirkletterns" (Führerautor Jürg von Känel) und anderseits ein Vertreter des sog. "Clean Climbing" (Daniel Silbernagel der Organisation Mountain Wilderness/"keepwild!") zu Wort.
In dieser MTW-Sendung werden Aussagen gemacht, die sowohl nicht den Tatsachen entsprechen, als auch unfallgefährliche Fehlinformationen enthalten.
- Die Tendenz geht heute eindeutig in Richtung des mit Bohrhaken abgesicherten Kletterns, weil hier das Verletzungsrisiko wesentlich kleiner ist.
- Eine "Clean-Climbing"-Bewegung im Sinn einer zunehmenden Bereitschaft zum Verzicht auf Bohrhakenabsicherung konnte im SAC mit seinen über 100'000 Mitgliedern bisher nicht festgestellt werden. Im Gegenteil, die Ausrüstung mit Bohrhaken als mit Abstand sicherstes Sicherungsmittel nimmt weiter zu.
- Was soll "Clean Climbing" überhaupt bedeuten? Völligen Verzicht auf Bohrhaken (auch an Standplätzen)? Verzicht auf bereits steckende Normalhaken? Verzicht auf jegliche technische Hilfsmittel? (Ganz "clean" wäre letztlich nur seilfrei und mit nackten Füssen). Der Begriff "Clean Climbing ist irreführend, da er nicht definiert ist. Bereits steckende Haken und gegebenenfalls Bohrhaken werden auch als Sicherungsmittel verwendet.
- Die sog "mobilen" Sicherungsmittel (wie Friends, Klemmkeile usw.) lassen sich nicht überall anbringen. Es gibt sehr viele moderne Routen, die ohne Bohrhaken gar nicht geklettert werden könnten.
- Die angegebene garantierte Haltekraft von mobilen Sicherungsmitteln ist irreführend. Die Schwäche dieser Mittel liegt in ihrer Platzierung (Verankerung) im Fels. Vielfach lassen sie sich nicht so legen, dass im Falle eines Sturzes ihre maximale Haltekraft zur Wirkung kommt. Allein schon durch die Kletterbewegungen des Seilersten bewegt sich auch das Seil und kann die mobilen Sicherungsmittel lockern. Unfälle (auch tödliche) durch herausgerissene, mobile Sicherungsmittel haben sich schon ereignet. Es ist deshalb unverantwortlich, wenn suggeriert wird, dass mobile Sicherungsmittel praktisch dieselbe Sicherheit bieten können wie moderne Bohrhaken.
Schlussfolgerungen
Die Tendenz in der Schweiz läuft klar in Richtung von mehr Sicherheit, und das heisst auch verstärkte Ausrüstung mit Bohrhaken. Der SAC-Zentralvorstand hat im Herbst 2003 eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die inzwischen Leitsätze und Grundsätze zur Sanierung von Routen im breitensportlichen Bereich ausgearbeitet hat. Der SAC wird die Sanierung mit Bohrhaken unterstützen.
Warum wurde der SAC als Vertreter des Bergsports und als einer der 10 grössten Sportverbände der Schweiz für ein solches Thema seitens MTW nicht zuerst angefragt oder zumindest zu einer Stellungnahme eingeladen? MTW gilt bereits von ihrem Anspruch her als eine Sendung, die fundierte Informationen zu einem Thema liefert. Demgegenüber ist insbesondere die Stellungnahme des Mountain Wilderness/"keepwild!"-Vertreters nicht nur einseitig ausgefallen, sondern enthält Aussagen, die aus der Sicht der Unfallprävention nicht unwidersprochen bleiben dürfen.
Schweizer Alpen-Club SAC
Geschäftsstelle Bern
Zurück
HOME
|
|