(Bohr-) Hakenstreit im Bergell

Zur (Vor-) Geschichte:
Bobi Götte, Bergführer aus Castiel (GR) hatte im Sommer 2003 die Vinci-Kante sanft saniert. Damit alles seine Ordnung hat, sprach er mit Mimmo Fiorelli über sein Vorhaben. Mit Begeisterung hat der Hüttenwart der Gianettihütte diesem Projekt zugestimmt. Kurz gesagt und schon getan..., Bobi hat die Standplätze und einige neuralgische Stellen mit sicheren Bohrhaken ausgerüstet.
Soweit so gut, wäre da nicht ein gewisser Jacopo Merizzi, ebenfalls Bergführer aus dem italienischen Val di Mello. Er ist ein grosser Gegner von Sanierungsaktionen von klassischen Routen. Kurzerhand hat er sämtliche Bolts wieder abgeschlagen!
Seit Jahren gibts im Val di Mello eine Ethik-Diskussionen darüber, ob man Klassiker, wie beispielsweise die "Luna Nascente" oder die "Kundalini" mit gebohrten Standplätzen ausrüsten soll oder nicht. Einige (wenige) Fundamentalisten aus dem Tal sind strikte dagegen, andere dafür, und wiederum weitere enthalten sich der Stimme.
Nur bei schwierigen Neutouren werden Bohrhaken toleriert, dort dafür in rauen Mengen. Ich habe grifflose Granitplatten gesehen, welche mit Bohrhaken-Leitern vollkommen zugebohrt wurden..., wo bleibt da die Logik?

Wer soll, kann oder darf entscheiden, wann, wo und wieviel saniert werden darf?


Zu diesem "heissen" Thema sind auf folgender Seite einige
Leserbriefe eingegangen.

Fazit: Wie aus den verschiedenen Leserbriefen ersichtlich, sind die meisten einer "sanften " Sanierung (vor allem Standplätze und neuralgische Zwischensicherungen) wohlgesinnt. Jedoch sollte der Charakter einer klassischen Route nicht gross verändert werden (wie beispielsweise das "zubohren" ganzen Risse, welche mit mobilen Sicherungmitteln abgesichert werden können).

Wir klettern nicht mehr mit Hanfseilen und Nagelschuhen – ebenso wenig kann man das Rad der Zeit zurück drehen.

Verantwortungslos wäre, wenn man die klassischen Routen im Urzustand der heldenhaften Erstbegeher einfrieren würde.

Wie gross wäre wohl die Unfallrate, wenn nicht schon früh in unseren Alpen die meisten der klassischen und vielbegangenen Routen vernünftig abgesichert worden wären? (Matterhorn, Mittelegi, Blüemlisalp u.s.w.)

Es wird immer einige ausgediente Alpin-Veteranen geben, welche mit grossem Stolz und voller Narben am ganzen Körper, ihren halsbrecherischen Heldentaten nachtrauern und sich mit diesen auf Lebzeiten ein Denkmal setzen möchten!

Ebenfalls sind unter "Tipps" einige Ideeen zu diesem Thema.


Herzlichen Dank für die eingegangenen Leserbriefe
Jürg von Känel


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