
Er hat die meisten der neuen Touren selber erstbegangen und die klassischen Touren saniert.
2004, Überarbeitung 2009
Seiten: 84
ISBN 3-906087-21-2
Preis: CHF 22.--, Euro 16.--



„SALBIT erleben“
Seit einem Viertel Jahrhundert darf ich nun schon Hüttenwart auf Salbit sein. Eine intensive Zeit mit interessanten Veränderungen liegt hinter mir. Viele neue Routen wurden erschlossen, Bohrhaken gesetzt, Klettergärten eingerichtet und nun - quasi als Höhepunkt dieses Jahrzehnts - der Verbindungsweg zur Voralphütte, der in diesem Sommer fertiggestellt und eingeweiht wird.
Die gezackten Grate, die imposanten Verschneidungen, Plattenschüsse und die Yosemite-ähnlichen Risse sind die gleichen geblieben. Vier gut eingerichtete Klettergärten mit stattlichen 54 Seillängen erfreuen sich grosser Beliebtheit. Am Salbitschijen, an den Gemsplanggen und am Meiggelengrat sind gegen 50 Neutouren mit 250 Seillängen erschlossen.
Die Idee einer begehbaren Verbindung zum Westgrat und weiter zur Vor-
alphütte ist ein lang gehegter Traum von mir. Diesen Sommer wird er Wirklichkeit. Wir bauen unterhalb des Kettenweges eine 93 Meter lange Hängebrücke über die „Stotzig Chälä“. Der neue Höhenweg über die Hängebrücke zur Voralphütte ist an spektakulären Ausblicken kaum zu übertreffen, und die Überschreitung des Bandlücklis zum Grosssee mit Abstieg nach Wassen bietet alles, was eines ambitionierten Wanderers Herz sich wünscht. Die Halbtageswanderung zu unserem Kreuz am Höhenberg ermöglicht eine gute Geländeübersicht über das ganze Göschenertal und
lässt einen die Wandertauglichkeit prüfen.
Der Trend vom alpinen Wandern hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Längerfristig kann eine SAC Hütte nur überleben, wenn sie neben Kletterern auch von Familien und Bergwanderern besucht wird. Die mehrtägige Urner Alpenkranz Route ist sehr beliebt. Wir schliessen jetzt eine Lücke in diesem wunderschönen Naturerlebnis.
In den letzten Jahren hat sich das Klettern auch im alpinen Bereich stark in Richtung „Plaisir“ entwickelt. Gut abgesicherte Routen und bestens eingerichtete Abseilstellen werden von den Besuchern geschätzt. Beim Erscheinen der ersten Ausgabe von „SALBIT erleben“ im Jahr 1993 dachte ich, dass der Ausrüstungsstand im Gebiet nicht wesentlich verbessert
werden sollte, da sonst die neuen Errungenschaften wie „Friends“ und Klemmkeile nicht mehr zum Einsatz kämen. Bei vielen Diskussionen musste ich aber feststellen, dass ohne weiteres Anbringen von Bohrhaken unser Gebiet Gefahr laufen würde, in Vergessenheit zu geraten.
Die Ansprüche haben sich gewandelt. Auch ich persönlich weiss heute gut gesicherte Kletteranstiege zu schätzen und bin froh, wenn meine Klettergäste eine optimal ausgerüstete Seillänge selber vorsteigen können. Bei allen Kletterrouten empfiehlt es sich, ein paar mobile Sicherungsgeräte sowie Zackenschlingen bei sich zu haben. Einige selten begangene oder schlecht ausgerüstete Routen habe ich im Buch nicht erwähnt. Diese Routen bieten allen, die lieber „clean“ herumturnen und auch einmal einen Stand selber einrichten wollen, viel Spielraum für ihr Tun.
Die Hütte wurde 1935 erbaut und ist Eigentum der SAC Sektion Lindenberg im aargauischen Freiamt. Mehrmals wurde die Hütte umgebaut und 1998 total saniert. Trotz grundlegender Modernisierungen und neuen Sanitäranlagen im Haus ist sie eine gemütliche Unterkunft geblieben. Vier 10er Schlafräume, sowie der ursprüngliche Rundbau bieten 56 Schlafplätze. Der Winterraum mit Kochgelegenheit und Spülbecken ist einer der schönsten im ganzen Alpenraum; im Sommer wird er öfters als Theorieraum benutzt. Die Energie für den täglichen Bedarf spenden uns Solarzellen an der Hütten-Südfront. Auf unserer Sonnenterrasse servieren wir Ihnen nach dem schweisstreibenden Aufstieg oder dem unvergesslichen Klettertag gerne ein frisch gezapftes Bier vom Fass. Auch das selbstgebackene Brot und die leckeren Kuchen erfreuen sich grosser Beliebtheit. In der Küche verarbeiten wir, wenn immer möglich, einheimische Frischprodukte, zum Teil aus dem eigenen kleinen Hüttengarten. Auf der Salbithütte reden wir nicht nur über Umweltschutz, wir praktizieren ihn.
“Salbit erleben” steht also nicht nur für unvergessliche Klettereien an einem der schönsten Granitberge im Alpenraum, sondern genauso für unvergessliche Wanderungen, sonnige Hüttennachmittage, kulinarische Höhepunkte und einmalige Aussichten.
Ich wünsche Euch viele frohe und erlebnisreiche Stunden auf Salbit.
Hans Berger
Bedanken möchte ich mich bei allen, die mir bei dieser dritten Auflage geholfen haben.