Berni van Dierendonck
10 Jahre Plaisir – Ein Grund zum Jubeln
oder
...aus Ernst wurde Plaisir und Plaisir ist heute 10 Jahre alt...
«Reichenbach, an einem furchtbar kalten Wintertag» schrieb Jürg von Känel zum ersten Mal 1992 unter sein Vorwort. Damit war klar: Die in dieser ersten Auflage des Kletterführers «Schweiz Plaisir» beschriebenen Touren sollten nichts mit grimmigen Nordwänden oder heroischen Zitterpartien weit oberhalb von rostigen Normalhaken zu tun haben. Seither etablierte sich Marke «Plaisir» als der neudeutsche Begriff für Genussklettern. Denn Spass am Fels ist dort zu finden, wo uns keine objektive Gefahren bedrohen, die Routen sehr gut abgesichert und von moderater Schwierigkeit sind.
Mit diesem Werk erhielt die grosse Mehrheit der Kletterinnen und Kletterer endlich eine Stimme. Nun sind auch diejenigen angesprochen, die nicht drei Mal die Woche trainieren können oder die nach langer berufs- oder familienbedingter Kletterabstinenz sich wieder an ihren ehemaligen Lieblingssport herantasten möchten. «Die breitensportliche Entwicklung im Klettern basiert im Wesentlichen auf dem Angebot an Plaisirrouten», schrieb 1998 Etienne Gross in der Neuen Zürcher Zeitung. Der Chefredaktor von DIE ALPEN (SAC) begrüsst insbesondere, dass der Bergführer Jürg von Känel einen Absicherungsstandard fördert. Denn seit der Publikation der Plaisirführer wird auch dem Sanieren von einfacheren, altbekannten Touren oder dem Erschliessen von Klettergärten mit leichten Routen grosse Aufmerksamkeit geschenkt. Heute gibt es in der Schweiz Klettermöglichkeiten, die so gut abgesichert sind, dass sie selbst von Kindern gefahrlos im Vorstieg gemeistert werden können.
Ob Jürg von Känel seine Führer aus Liebe zum Klettern oder aus Leidenschaft am Zeichnen verfasste, ist bis heute nicht ganz klar. Es gibt nur wenige Kletterführer die so präzise, informativ und trotzdem übersichtlich sind. Und Gelegenheit zum Zeichnen hat er unterdessen genügend. «Schweiz Plaisir» erscheint nun in vier Bänden: Plaisir Ost, West, Süd und Jura. Die abwechslungsweise alle drei Jahre neu aufgelegten und aktualisierten Bände beschreiben den gesamten Klettergenuss zwischen Briançon in Frankreich, Saignelégier im Jura, dem Rätikon in der Ostschweiz und Lecco in Italien.
Übrigens: Der Gedanke zum Plaisirführer kam Jürg von Känel 1990 kurz nach der Erstbegehung einer der damals schwierigsten Sportkletterrouten «Mission Miranda» im Schwierigkeitsgrad 8c oder UIAA 10+/11-. Die Route im Topklettergebiet Lehn im Berner Oberland ist für von Känel der Höhepunkt seiner Karriere als Spitzenkletterer und sie gilt auch heute noch als Knacknuss. Erst gerade fünf Kletterern (Heinz Gut, Fred Nicole, Chris Sharma (USA) Dave Graham (USA)) und Hanspeter Bodmer gelang bis heute eine Wiederholung dieser kleingriffigen, überhängenden Kante.
Home