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Was den Menschen die Wand hochtreibt Seine Kletterführer haben neue Massstäbe gesetzt und sind seit über 15 Jahren erfolgreich im Geschäft: Jürg von Känel propagiert das «Genussklettern», bei dem die Sicherheit vor Abenteuer und Risiko steht. Von Angelika Rodlauer. Die immer gleiche Formulierung, mit der Jürg von Känel jeweils das Vorwort seiner Kletterguides schliesst, ist unter Insidern längst Kult geworden: «Reichenbach, an einem furchtbar kalten Wintertag». Man stutzt unweigerlich, denn: Sind Kletterer nicht jene harten Burschen, die ohne mit der Wimper zu zucken die steilsten Wände emporklettern? Ein längst überholtes Klischee. Jürg von Känel, wohnhaft in Reichenbach im Kandertal, Bergführer, Autor und Verleger der beiden mehrbändigen Kletterguides «Plaisir» und «Schweiz extrem», hat das Image der Klettergemeinde längst umgekrempelt. Seit über 15 Jahren propagiert er das so genannte Plaisirklettern, und dies äusserst erfolgreich: Die vierbändige Reihe « Schweiz Plaisir» mit Kletterzielen in der ganzen Schweiz sowie in den nahen Nachbarländern wird im Turnus von etwa drei Jahren immer wieder neu überarbeitet und herausgegeben ? inzwischen sind es insgesamt über ????? Exemplare, die so verkauft wurden, und zu seinem Mitarbeiterstab zählt von Känel «1000 Leute, nämlich alle, die mir jeweils regelmässig Infos zu neuen Routen oder Hinweise auf Änderungen geben.» Die oben erwähnte Formulierung im Vorwort hat übrigens einen äusserst banalen Hintergrund? von Känel arbeitet nämlich vorwiegend im Winter an den Büchern, und dann ist es nunmal zuweilen sehr kalt im Kandertal. Im Sommer geht er, klar, lieber in die Wand. Kann Klettern überhaupt ein Genuss sein? «Der Genuss kommt, wenn man einer Aufgabe gewachsen ist», sagt von Känel. Aber eigentlich geht es ihm vor allem darum, diesen Genuss erst einmal zu ermöglichen: Indem er nämlich Routen bohrt, die so sicher sind, dass sie auch von wenig Berggewohnten bewältigt werden können. «Früher galt die Devise: Je weniger Hilfsmittel, desto heroischer», erzählt von Känel. Dabei wurden etwa die Abstände zwischen den eingebohrten Haken absichtlich gross gehalten. Seine Routen zeichnen sich genau durch das Gegenteil aus: Klettern wird zum Familiensport, an dem auch Kinder und Jugendliche teilhaben können ? wobei dies natürlich noch lange nicht bedeutet, dass eine solide Einführung ins Klettern überflüssig wird. «Man kauft sich ja auch nicht ein Buch übers Tauchen und steigt dann sofort in die Tiefe», so sein treffender Vergleich. Was treibt einen Menschen denn überhaupt freiwillig die Wände hoch? Jürg von Känels Blick signalisiert Unverständis: «Das ist doch völlig natürlich», findet er, «das liegt im Menschen drin. Jedes Kind will schliesslich auf Gerüste und Bäume klettern.» Klettern sei zudem äusserst kreativ, eine Tätigkeit, bei der Geist und Körper eng zusammenarbeiten. Dazu komme die Freude an der gesamtkörperliche Bewegung, an der Steigerung der Schwierigkeitsgrade, und manchmal natürlich auch die Lust am Gipfelerlebnis, aber das sei nicht zwingend ? viele Routen hörten auch mitten in der Wand auf, wie von Känel erklärt. Darf man die Alpen «verbohren»? Und wodurch zeichnet sich eine ideale Kletterroute aus? «Die Felsqualität muss stimmen», sagt von Känel. «Es darf beispielsweise nichts abbröckeln. Und das Klettergebiet sollte gut erreichbar sein.» So kommt es, dass neue Routen gar nicht so einfach zu finden sind, auch wenn der Alpenraum als Kletterparadies schlechthin gilt, insbesondere der Raum um den Sustenpass, wo man laut von Känel im Umkreis von einer halben Stunde alles findet, was das Herz begehrt. Darf man denn als Bergführer so einfach «die Alpen verbohren»? Ja, darf man, erklärt von Känel, auch wenn jeder Berg, jeder Fels letztlich dem Staat gehört. Allerdings: Wenn jemand irgendwo einen Haken einschlägt, geht dieser ebenfalls in das Eigentum des Staates über. Das ist insofern auch von Vorteil, weil man dafür umgekehrt nicht für allfällige Unfälle haftbar gemacht werden kann ? «noch», präzisiert von Känel, denn er kann sich durchaus vorstellen, dass dieser Punkt längerfristig einmal zum Thema werden wird. Angelika Rodlauer Redaktion "Schweizer Buchhandel HOME |
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